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Stellungnahme2026-06-02

Stellungnahme zur Untersuchung von VDPM und VdL zu „Energiesparfarben"

Von ThermIQ

Kurzfassung

ThermIQ ist eine funktionale Fassadenbeschichtung. Ihr Nutzen beruht auf Solarreflexion, Feuchteschutz, Diffusionsoffenheit und Substanzschutz – nicht auf dem Wärmedurchlasswiderstand eines Dämmstoffs. ThermIQ beansprucht keine Wärmeleitfähigkeit (λ-Wert) und wird nicht als Ersatz für eine Wärmedämmung oder ein Wärmedämmverbundsystem (WDVS) angeboten. Die von VDPM und VdL veröffentlichte Untersuchung prüft den Wärmedurchlasswiderstand einer dünnen Schicht im Sinne eines Dämmstoffs. Diese Eigenschaft beansprucht ThermIQ nicht – und die gewählte Methode kann die tatsächlichen Wirkmechanismen reflektierender Funktionsbeschichtungen weder erfassen noch beurteilen.

1. Ausgangslage

Der Verband für Dämmsysteme, Putz und Mörtel e. V. (VDPM) und der Verband der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie e. V. (VdL) haben in einem Positionspapier vor „wärmedämmenden Farben" und „energiesparenden Anstrichen" gewarnt und die Ergebnisse einer Untersuchung des Instituts für Bauphysik der Leibniz Universität Hannover veröffentlicht. Das Positionspapier ist abrufbar unter wirsindfarbe.de (der vollständige Prüfbericht ist beim VDPM erhältlich).

ThermIQ begrüßt die wissenschaftliche Überprüfung von Bauprodukten. Werbung mit physikalisch unplausiblen Kennwerten – etwa Wärmeleitfähigkeiten nahe dem Niveau eines Vakuums – ist unseriös und schadet dem gesamten Markt. In diesem Punkt teilen wir die Kritik der Verbände ausdrücklich.

Eine belastbare Beurteilung setzt jedoch voraus, dass die Prüfmethode zum Funktionsprinzip des Produkts passt. Genau das ist hier nicht der Fall.

2. Was ThermIQ ist – und was nicht

ThermIQ ist eine reflektierende, diffusionsoffene und wasserabweisende Schutzbeschichtung für Fassaden, Dächer und Industrieanlagen. Sie wirkt über bauphysikalische Oberflächeneffekte, nicht über den Wärmedurchlasswiderstand einer dünnen Schicht:

  • Solarreflexion: Eine hohe Rückstrahlung reduziert den solaren Wärmeeintrag in das Bauteil. Das senkt im Sommer die Oberflächentemperaturen und die Kühllast und entlastet die Bausubstanz.
  • Feuchteschutz und Diffusionsoffenheit: Geringe Wasseraufnahme hält die Wand trocken, während Wasserdampf nach außen entweichen kann. Eine trockene Wand behält ihre bauphysikalischen Eigenschaften; feuchtebedingte Verschlechterungen der Wärmeleitfähigkeit von Baustoffen (Bemessung nach DIN 4108-4) werden vermieden.
  • Substanzschutz: Schutz vor UV-Belastung, Algen, Schimmel und Mikrorissbildung verlängert die Lebensdauer von Fassade und Dach.

ThermIQ ersetzt keine Wärmedämmung und beansprucht keinen λ-Wert. Wir behaupten nicht, ein WDVS überflüssig zu machen. Unsere Beschichtung versteht sich als Ergänzung bestehender Systeme – sie schützt auch bereits gedämmte Fassaden vor solarer Aufheizung, Feuchte und Algenbewuchs. Wir versprechen insbesondere keine Heizenergie-Einsparung aus einer „Dämmwirkung" der Farbschicht.

3. Warum die Untersuchung ThermIQ nicht bewertet

Die methodischen Grenzen der Untersuchung sind aus bauphysikalischer Sicht eindeutig:

a) Maßgebliche Normverfahren wurden nicht angewandt

Die für Funktionsbeschichtungen relevanten Eigenschaften – solare Reflexion, Wasseraufnahme, Wasserdampfdurchlässigkeit – werden über eigene, anerkannte Normverfahren bestimmt. Diese kamen in der Untersuchung nicht zur Anwendung.

b) Der Versuch schließt das Kernprinzip systematisch aus

Die Prüfung erfolgte bei konstanten Außentemperaturen in einer Klimakammer, also ohne Sonneneinstrahlung. Der zentrale Wirkmechanismus einer reflektierenden Beschichtung – die Reduktion des solaren Wärmeeintrags – kann unter Ausschluss jeder Strahlungsquelle prinzipiell nicht in Erscheinung treten. Ebenso wenig erfasst der Aufbau das Feuchteverhalten realer Bauteile. Dass unter diesen Bedingungen kein Unterschied zu einer neutralen Farbe entsteht, ist daher keine Aussage über die Wirkung des Produkts, sondern eine Folge des Versuchsdesigns.

c) Geprüft wurde ein Dämmstoff-Effekt, der gar nicht beansprucht wird

Im Versuch wurde die elektrische Energie gemessen, die zur Aufrechterhaltung einer konstanten Innentemperatur nötig ist – ein klassischer Dämmstoff-Versuch zur Bestimmung des Wärmedurchlasswiderstands. Dass eine 0,5 mm dünne Beschichtung keinen nennenswerten Wärmedurchlasswiderstand aufweist, ist unstrittig und entspricht unseren eigenen Angaben. ThermIQ beansprucht diese Eigenschaft nicht.

d) Der U-Wert beschreibt nur einen Teil des thermischen Verhaltens

Der U-Wert erfasst ausschließlich den stationären Wärmedurchgang durch Wärmeleitung. Das thermische Verhalten realer Gebäude wird darüber hinaus durch solare Einstrahlung, langwellige Wärmestrahlung, Oberflächeneigenschaften, Feuchtehaushalt und dynamische Temperaturverläufe geprägt. Wer die energetische Bewertung allein an der Wärmeleitfähigkeit festmacht, blendet diese Einflussgrößen aus.

e) Ein Einzelprodukt, ein Kategorieurteil

Untersucht wurde ein einziges, namentlich genanntes Produkt. Daraus wird ein pauschales Urteil über eine technisch heterogene Produktkategorie abgeleitet. Reflektierende Funktionsbeschichtungen unterscheiden sich in Rezeptur, Wirkprinzip und Kennwerten erheblich; eine Verallgemeinerung von einem Prüfkörper auf alle Produkte dieser Art ist nicht tragfähig.

f) Zur Interessenlage

Die Untersuchung wurde von Verbänden in Auftrag gegeben und veröffentlicht, die die Interessen von Herstellern und Händlern von Dämmsystemen, Putzen, Mörteln und Anstrichstoffen vertreten – also von Anbietern, deren Produkte mit funktionalen Beschichtungen teilweise im Wettbewerb stehen. Das ist legitim und macht die Ergebnisse nicht per se unrichtig. Es ist jedoch sachgerecht, ein kategorieweites Negativurteil, das auf einem einzigen, von diesen Verbänden ausgewählten Prüfkörper beruht, mit der gebotenen Zurückhaltung zu lesen und durch unabhängige Prüfungen zu ergänzen.

4. Worin wir mit den Verbänden übereinstimmen

Wir stimmen ausdrücklich zu, dass mit unplausiblen λ-Werten beworbene „Wunderfarben" dem Markt schaden, dass thermische Kennwerte durch geeignete, normgerechte Verfahren und akkreditierte Stellen belegt sein müssen und dass Verbraucherinnen und Verbraucher Anspruch auf nachvollziehbare Angaben haben. Eben deshalb dokumentiert ThermIQ seine Eigenschaften über unabhängige Prüfungen.

5. Belegte Kennwerte von ThermIQ

Eigenschaft Wert Bezug
Solare Reflexion (TSR) 93 % Messung n. ASTM C1549
Solarer Absorptionsgrad αS 0,07 abgeleitet aus TSR (αS = 1 − Reflexionsgrad)
Reduktion der solaren Wärmelast rechnerisch Berechnungsnorm EN ISO 52016-1
Wasseraufnahme Klasse W3 (niedrigste) EN 1062-3
Diffusionsoffenheit (Sd) 0,16–0,17 m, Klasse SD2 / V1 EN ISO 7783
Thermische Emissivität ε ≥ 0,85 ASTM C1371
Brandklasse Bs1d0 (schwer entflammbar) EN 13501-1
Feuchteabhängige Wärmeleitfähigkeit (Bemessung) DIN 4108-4

Sämtliche Prüfberichte und Datenblätter stellen wir auf Anfrage zur Verfügung.

6. Fazit

Innovationen müssen geprüft werden – das ist richtig. Prüfmethoden müssen aber zum Produkt passen. Eine Beschichtung, die über Solarreflexion, Feuchtehaushalt und Oberflächentemperatur wirkt, lässt sich nicht über einen Dämmstoff-Versuch mit λ- bzw. U-Wert-Bewertung beurteilen. Die energetische Gesamtwirkung eines Gebäudes ergibt sich aus dem Zusammenwirken mehrerer Maßnahmen und lässt sich nicht auf eine einzelne Kenngröße oder Produktkategorie reduzieren. Dämmung und funktionale Oberflächenbeschichtung verfolgen keine identischen, sondern sich ergänzende Zielrichtungen.

ThermIQ fordert daher eine differenzierte Betrachtung, die klar zwischen klassischen Dämmstoffen und funktionalen Oberflächensystemen mit anderen Wirkprinzipien unterscheidet. Wir unterstützen transparente, normgerechte Prüfungen und stehen für den fachlichen Dialog mit Verbänden, Prüfinstituten und Energieberatern zur Verfügung.


Kontakt: ThermIQ – Intelligenter Fassadenschutz · +43 664 456 6724 · anfragen@thermiq.at · thermiq.at

Diese Stellungnahme darf vollständig und unverändert zitiert werden.

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